Sonntag, 24. September 2017

Stellungnahme zum OGH-Urteil zur Aufsichtspflicht im Kindergarten

Als Berufsgruppe, die vor allem kärntenweit agiert, möchten wir gerne zu der Entscheidung, die Seitens des OGH gefallen ist unsere Verwunderung und unsere Bedenken äußern:

Ein Unfall im Kindergarten ist immer ein Ereignis welches Kinder, Eltern und PädagogInnen nachhaltig beschäftigt und Folgen in dem Sinne hat, dass die Situation reflektiert und in Zukunft versucht wird, mehr Sicherheit zu gewährleisten.
Dieser spezielle Unfall und das daraus resultierende Urteil hat für alle PädagogInnen und BetreuerInnen schwerwiegende Folgen: immer kleiner wird der Handlungsspielraum in dem PädagogInnen (ver)sicher(t) sind im alltäglichen Tun mit den ihnen anvertrauten Kindern. Wer geht noch beruhigt in den Wald? Wer macht Ausflüge oder lässt den Kindern im Garten Bewegungsfreiheit, wenn man das Gericht und das Thema der „Aufsichtspflicht“ regelrecht im Nacken sitzen hat?

Genau wegen solchen Urteilen, die nicht das Vertrauen und die Beziehung einer PädagogIn zum Kind in den Mittelpunkt stellen, sowie die Aufforderung zur Selbständigkeit, sondern ein rein zweckorientiertes Handeln ohne individuelle Gestaltungsmöglichkeit voraussetzen, werden die PädagogInnen mehr und mehr verunsichert und zur Zielscheibe fragwürdiger, vielleicht sogar persönlicher Anschuldigungen durch Dritte.

Daher brauchen wir:
  • ein rasches UMSETZEN von zeitgemäßen Rahmenbedingungen, die für die gesamte Bildungsarbeit förderlich sind, wie eine seit Jahren ausreichend begründete günstige Kind-PädagogIn-Relation: 1 PädagogIn für 7-8 Kinder zwischen 3-6 Jahren, sowie 1 PädagogIn für 3-4 Kinder unter 3 Jahren
  • einen gesetzlich verankerten Rechtsschutz für PädagogInnen, KleinkinderzieherInnen, Tagesmütter und Tagesväter
  • Eltern, die MIT PädagogInnen ZUSAMMENARBEITEN, und gemeinsam die Verantwortung für das Kind tragen

Diese Forderungen sind angebracht und notwendig weil Menschen, in erster Linie Frauen, den familienergänzenden Bildungs- und Betreuungsauftrag mit viel Enthusiasmus, Freude, Hingabe und Liebe zu den Kindern schon seit Jahrzehnten erfüllen, und jetzt nach dem OGH-Urteil nicht durch Angst vor rechtlichen Konsequenzen in ihrem Handeln eingeschränkt werden dürfen. Dieses Urteil ist kein Beitrag zum Wohle der Kinder, sondern ein weiterer Schritt in eine abgesicherte, vollüberwachte, unselbständige und unbewegliche Kinderwelt!